Verlage, Druckindustrie, Papierverarbeitung

24 Stunden Warnstreik bei STI in Grebenhain

24 Stunden Warnstreik bei STI in Grebenhain

Warnstreik STI Grebenhain 12. März 2015 Spätschicht mm Warnstreik STI Grebenhain 12. März 2015 Spätschicht
24 Stunden Warnstreik bei STI in Grebenhain mm 24 Stunden Warnstreik bei STI in Grebenhain Streikversammlung im Bürgerhaus Grebenhain  – Streikversammlung der Frühschicht

 

12. März 2015. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft hat heute die Beschäftigten des Papierverarbeitungsbetriebs STI in Grebenhain für 24 Stunden zu einem Warnstreik aufgerufen. Der Warnstreik hat um 5.30 Uhr begonnen und soll am Freitag früh um 5.30 Uhr enden. In der Frühschicht beteiligten sich bereits 90 Beschäftigte. Mit ihrer Arbeitsniederlegung unterstützen die Streikenden die Forderung ihrer Gewerkschaft nach Abschluss eines Tarifvertrags zur Regelung von Altersteilzeit.

Hintergrund der Auseinandersetzung ist der geplante Stellenabbau in Grebenhain. Die Geschäftsführung will Teile der Produktion in Grebenhain schließen und mehr als einhundert Stellen streichen. Betroffen sind Arbeitsplätze im Bereich des Drucks und der Weiterverarbeitung von Druckprodukten. Klebearbeiten sollen nach Tschechien verlagert, Druckaufträge im STI-Werk in Lauterbach gefertigt werden. ver.di und der Betriebsrat fordern den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Die Arbeitgeberseite hat allerdings am 6. März alle Vorschläge des Betriebsrats zur Verhinderung von Kündigungen abgelehnt und  die Verhandlungen mit dem Betriebsrat für gescheitert erklärt. „Es ist ein unerhörter Vorgang, dass alle Vorschläge des Betriebsrats zur Steigerung der Produktivität und zur Kostenentlastung einfach vom Tisch gewischt worden sind“, sagte der ver.di-Fachbereichsleiter Manfred Moos vor den Streikenden. „Offenbar geht es der Arbeitgeberseite nur noch darum, möglichst schnell möglichst viele Kündigungen auszusprechen. Soziale Verantwortung sieht anders aus.“

Die geforderte Altersteilzeit sieht ver.di als einen Baustein bei den Bemühungen, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Die Arbeitgeberseite hat bisher die Aufnahme von Tarifverhandlungen abgelehnt. Viele der betroffenen Beschäftigten, darunter zahlreiche Frauen, hätten nach Einschätzung von ver.di nach einer Kündigung größte Schwierigkeiten, im strukturschwachen Vogelsberg noch einmal einen Arbeitsplatz zu finden.

Die hohe Streikbeteiligung zeigt laut ver.di, dass die Beschäftigten sich nicht widerstandslos einfach in die Arbeitslosigkeit schicken lassen. Deshalb werde ver.di auch weiterhin zu Arbeitsniederlegungen aufrufen, um einen Tarifvertrag über Altersteilzeit durchzusetzen.

Unterstützt wurden die Streikenden heute im Bürgerhaus von Grebenhain vom Vorsitzenden des DGB-Kreises Osthessen, Klaus Schüller. Er sicherte den Streikenden die uneingeschränkte Solidarität des gewerkschaftlichen Dachverbandes zu und kritisierte den Umgang des Traditionsunternehmens STI mit den zum Teil langjährigen Mitarbeitern. Auch die osthessische ver.di-Geschäftsführerin Angelika Kappe sagte zu, den Arbeitskampf so lange wie erforderlich zu unterstützen.

Die STI-Gruppe fertigt in Grebenhain vor allem Aufsteller für die Warenpräsentation von Markenartikelherstellern. STI beschäftigt in Grebenhain rund 400, an den beiden anderen Vogelsberg-Standorten in Lauterbach und Alsfeld weitere 800 Menschen und ist damit einer der größten Arbeitgeber in der Region. Weitere Werke gibt es unter anderem in Bayern. Weltweit hat die STI-Gruppe rund 2.300 Beschäftigte.