Kunst und Kultur

Rudolf Bräuker ist 90 Jahre alt

Rudolf Bräuker ist 90 Jahre alt

Rudolf Bräuker, Wiesbaden Hans-Gerd Öfinger Rudolf Bräuker

Auch im hohen Alter kommt für ihn ein Rückzug aufs Altenteil und ein Verzicht auf sein soziales Engagement nicht in Frage. Am Samstag, 21. Januar 2017, feierte der Wiesbadener Musiker, Fachjournalist und Gewerkschafter Rudolf Bräuker im Familienkreise seinen 90. Geburtstag.

1927 in Trier geboren, wuchs Rudolf Bräuker im Ruhrgebiet auf. In Ennepetal machte er als junger Flügelhornbläser im örtlichen Posaunenchor erste Bekanntschaft mit der Musik. Nach dem Krieg trat der Autodidakt als Berufsmusiker mit Trompete, Kontrabass und Schlagzeug auf. Später spezialisierte er sich als Bandleader auf U-Musik, Tanzmusik und Jazz. Über viele Jahre lebte er „aus dem Koffer“ und war er in Clubs der US Army weltweit ein gefeierter Star. Seine Frau Karin trat als Sängerin jahrelang gemeinsam mit ihm auf und gründete später ihre eigene Band.

Weil er zunehmend die Schattenseiten eines Künstlerdaseins in „Scheinselbstständigkeit“ ohne Kranken- und Rentenversicherung erfuhr, forderte Rudolf Bräuker schon 1966 erstmals eine soziale Absicherung für die rund 8000 Berufsmusiker bei den Stationierungsstreitkräften in der Bundesrepublik. Später gründete er in Wiesbaden eine Künstlervermittlung, stand in Kontakt mit Bill Ramsey und ermöglichte einmal auch den Jakob Sisters einen Auftritt in Teheran. Auch als er in den 1970er Jahren die Musikinstrumente beiseite legte und in den Diensten des Hessischen Finanzministeriums in der Staatskasse und als Aufsichtsbeamter in den Spielbanken und Wiesbaden und Bad Homburg tätig war, ließ ihn das Engagement für die vielen „Versorgungsgeschädigten“ nicht mehr los.

1974 war Rudolf Bräuker Mitbegründer des Vereins Künstlerhilfe Sozialwerk e.V., der sich die Hilfe für in Not geratene ältere Künstler zum Ziel gesetzt hat. Als ehrenamtlicher Geschäftsführer leitet er noch heute von seiner Wohnung an der Biebricher Allee aus die Arbeit des Vereins, bearbeitet regelmäßige Anfragen und vermittelt durch einen direkten Draht zu Behörden unbürokratische Hilfe für bedürftige Künstler.

In Gewerkschaftskreisen gilt der Jubilar vor allem als maßgeblicher Pionier der Künstlersozialkasse (KSK), die seit Anfang der 1980er Jahre die Kranken- und Rentenversicherung freischaffender Künstler und Publizisten regelt und viele vor dem Absturz in die Altersarmut bewahrt hat. Jahrelang warb er hierfür als einsamer „Rufer in der Wüste“ unermüdlich und auf eigene Kosten. Bei dem gewerkschaftlich organisierten Schriftsteller und Bundestagsabgeordneten Dieter Lattmann und dem damaligen Sozialminister Herbert Ehrenberg stieß er schließlich auf offene Ohren.

Rudolf Bräuker trat 1952 dem Deutschen Musikerverband in der damaligen DGB-Gewerkschaft Kunst bei und vertrat seine Organisation über Jahre im Wiesbadener DGB-Kreisvorstand. Als ältestes Mitglied im Wiesbadener Bezirksvorstand des Fachbereichs Medien in der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di bringt er noch heute seine Erfahrung in die ehrenamtliche Arbeit ein und steht Freiberuflern zu Seite. Die Vorstandskollegen schätzen seinen Rat. „Er ist ein heller Kopf und wacher Geist, hat Humor und ist zuverlässig“, so Frank Marsall, Betriebsratsvorsitzender bei Constantia Ebert in Schierstein und hessischer Landesbezirksvorsitzender des ver,di-Fachbereichs Medien. Am 1. Februar ehrt die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di in Wiesbaden den Jubilar im Rahmen eines Empfangs.

 Hans-Gerd Öfinger

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