Kunst und Kultur

Prekäre Beschäftigungen in der Musikschule Kassel

Prekäre Beschäftigungen in der Musikschule Kassel

Anfang Februar 2017 hatte die Fraktion der Linken im Ausschuss für Finanzen und Grundsatzfragen eine Debatte um die Arbeitsbedingungen in der Musikschule Kassel angestoßen.

Die ehemals städtische Musikschule ist seit 2001 privatisiert und als Verein organisiert, wird aber weiterhin von der Stadt Kassel finanziell unterstützt.

Die Aussage des Kämmerers Christian Geselle während der Sitzung, die Vergütungen der Beschäftigten lehnten sich an die Tarife des öffentlichen

Dienstes an, ist so nicht korrekt, teilt Gewerkschaftssekretärin Ellen Sandrock-Becker von ver.di mit. Einige wenige Lehrkräfte haben noch Altverträge mit der Stadt und werden nach TVÖD bezahlt. Die Lehrkräfte, die beim Verein (Musikschule Kassel e.V.)  angestellt sind, werden nach einem sogenannten „Haustarif“ bezahlt, der unter dem des TVÖD liegt. Dieser „Haustarif“ wird nicht mit der Gewerkschaft als Tarifvertragspartei verhandelt, sondern einseitig vom Vorstand des Vereins festgelegt. Die überwiegende Zahl der Musiklehrerinnen und Musiklehrer hat jedoch Honorarverträge mit nur geringer Stundenzahl, die es notwendig machen, sich mit weiteren Jobs über Wasser zu halten. Bezeichnend, dass Lehrkräfte sich mit dem Vertrag verpflichten müssen, über die Vertragsbedingungen Stillschweigen zu bewahren.

Honorarkräfte werden während der Schulferien und bei eigener Erkrankung nicht bezahlt,  ebenso wenig dann, wenn Unterricht von Schülerseite abgesagt wird, es sei denn, die Absage erfolgt kurzfristig.  Wir nennen das prekäre Beschäftigung und unterstützen die Kolleginnen und Kollegen in ihrem Bemühen, einen Betriebsrat zu gründen, in der Hoffnung, dass wenigstens minimale Verbesserungen erzielt werden können.

Leider haben sich viele Beschäftigte der Musikschule Kassel einschüchtern lassen,  an einer vom Arbeitgeber initiierten und rechtlich nicht legitimierten Abstimmung teilgenommen und sich dabei zunächst gegen einen Betriebsrat ausgesprochen.

Überall im Land wurden Musikschulen aus der kommunalen Verantwortung genommen. Vielerorts werden von den gegründeten Vereinen Verträge zu extrem schlechten Bedingungen  mit den Beschäftigten geschlossen. Die Kommunen schmücken sich zwar mit den Auftritten der Musikschul-Orchester, unterstützen die Schulen auch finanziell, zucken aber die Achseln, wenn es um die Beschäftigten geht, die diese Erfolge erst ermöglichen, die mit viel Herzblut ihren Schülerinnen und Schülern Unterricht erteilen, jedoch im Alter von ihrer Rente nicht werden leben können.